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Eine wahre Rarität: GO EN – Die Geschichte der Entstehung einer neuen Teesorte

      

Während die meisten Akteure im Bereich der japanischen Tees heutzutage vor allem die gedämpften nadelförmigen Tees, oder auch deren Abkömmlinge wie Matcha, ins Rampenlicht stellen, hat uns unser innewohnender MARIMO-Trieb, Neues zu entdeckten, oder Altes wieder zu beleben, über die Jahre hinweg dazu geführt, uns mehr und mehr mit den gekräuselten Tees (Tamaryokucha, gleichbedeutend mit Guricha) zu beschäftigen. Als wir 2009 mit den beschatteten Tamaryokucha-Sorten von Herrn Soejima begannen, erschienen uns diese Tees, deren Hauptmerkmal die gekräuselte Blattform ist, zunächst als eine kleine Gruppe, die kein allzu weites Spektrum in sich zu bergen schien.

      

Die Blätter des GO EN Kabuse Tamaryokucha (Foto: Dietmar Segl 2013)

      

Als wir im Herbst 2012 einen Kamairi-cha (trocken erhitzter Tamaryokucha) von Sakura-No En einführten, den sein Schöpfer, Herr Matsumoto auf seiner Herbstreise in Deutschland und Frankreich bei Teefeinkostläden vorstellte, begann sich jedoch der Blick von uns und unseren Kunden zu erweitern. Diese neue gekräuselte Teesorte, die abgesehen von der Blattform und ihrer Herkunft Kyushu, kaum eine Eigenschaft mit den bisher bekannten Tees von Herrn Soejima hatte, zeigte eindrucksvoll die Vielfalt der gekräuselten Tees, die keineswegs eine kleine Nische darstellen.

      

GO EN Präsentation am 07.07.2013 (Foto: Andreas Malkmus 2013)

      

Heute sehen wir, obgleich die in Japan hergestellte Menge an gekräuselten Tees gemäß einer Schätzung nur weniger als fünf Prozent der japanischen Gesamtgrünteeherstellung ausmacht, dass diese Kategorie eine noch kaum wahrgenommene Schatzkammer darstellt. Nicht nur mit dem GO EN, den wir seit diesem Jahr im Sortiment haben, sondern auch mit neuen Kamairi-cha Sorten von einem winzigen Teegarten unweit der Morimotos, die ohne Zweifel in den kommenden Monaten jeden Teekenner zu überraschen vermögen, öffnen wir diese Schatzkammer nun um einen weiteren Spalt.

      

GO EN Blätter, aufgegossen in einer Kyusu von NARIEDA Shinichiro (Foto: Dietmar Segl 2013)

      

Dass die trocken erhitzen Tamaryokucha-Sorten (Kamairi-cha) geschmacklich eigenständig sind, sich also deutlich von den heutzutage üblichen gedämpften Tees wie Sencha, Gyokuro oder Kukicha unterscheiden, liegt auf der Hand. Doch wie entsteht der charakteristische Geschmack von gedämpften Teesorten mit gekräuselten Blättern?


Mit dem GO EN - einem gemeinsamen Projekt der Morimotos mit MARIMO - sind wir während der ersten gemeinsamen, eineinhalbmonatigen Frühjahrsernte 2013 in Miyazaki diesem Rätsel gefolgt. Anders als bei der Herstellung der gekräuselten Tees, die die Morimotos bis vor etwa 20 Jahren vor allem aus der Teestrauchsorte Takachiho herstellten, haben wir für den GO EN die sehr weiche, süße Strauchsorte Oku Midori ausgewählt, und diese vor der Ernte zwei Wochen lang mit schwarzen Netzen beschattet. Doch die wirkliche Überraschung kam, als am Abend der Produktion gegen 21 Uhr plötzlich eine Freund von Shigeru Morimoto erschien, um in Windeseile eine Maschine für den GO EN umzubauen, während die anderen Maschinen für die Morimoto Tokujou Kabusecha-Herstellung noch liefen.

      

GO EN Präsentation am 07.07.2013 (Foto: Andreas Malkmus 2013)

      

Es musste schnell gehen, denn die Blätter der zwei Wochen beschatteten Oku Midori waren schon gedämpft, leicht getrocknet und geknetet, und warteten nun darauf, in die Bambustrommel zu kommen, aus der noch die für die Sencha-Herstellung gebrauchten Metallarme entfernt werden mussten. Bevor es losging, wurde in die ansonsten leere Bambustrommel eine Holzleiste eingesetzt. Anders als bei der Sencha-Produktion, bei der sowohl in dieser Maschine als auch in den darauffolgenden Rollmaschinen die Teeblätter intensiv mit Metall in Berührung kommen, sind die Blätter des GO EN Kabuse Tamaryokucha nur in Kontakt mit der Holzleiste und dem Bambus.

Es ist nicht verwunderlich, dass dies den Geschmack des letztendlichen Tees beeinflusst. Und während unserer Videoaufnahmen, die für die Dokumentation der Herstellung des GO EN entstanden (Link zum GO EN Video), erklärte uns Shigeru Morimoto weiter, dass ein weiterer Unterschied wohl nicht weniger maßgeblich den besonderen Charakter des Tamaryokucha ausmacht: Während bei der Herstellung von nadelförmigen Teesorten wie Sencha, sowie deren Abkömmling Matcha, deren Blätter dem Druck der Rollmaschinen ausgesetzt werden, entsteht die gekräuselte Form der Blätter des GO EN allein durch deren Eigengewicht, während sie in der rotierenden Bambustrommel von der sich mit drehenden Holzleiste ein Stück weit in die Höhe gehoben werden, und dann wieder an die Unterseite des Bambustrommelinnenraum zurückrollen.

So entsteht der einmalige Geschmack des gedämpften Tamaryokucha!

      

Fumie Morimoto bereitet den GO EN im japanischen Raum zu (Foto: Dietmar Segl 2013)

      

Einzigartig ist bei GO EN, dass dieser ausschließlich aus den Blättern der elegant süßen und seltenen Strauchsorte Oku Midori hergestellt wird, die zuvor zwei Wochen beschattet wurde. Wer die Tees (Tamaryokucha Violett, Silber und Gold) von Herrn Soejima kennt, die ebenfalls aus den Blättern beschatteter Strauchsorten hergestellt werden, hat die Möglichkeit den Geschmack von verschiedenen Strauchsorten kennenzulernen, denn auch diese wurden in einer Bambustrommel gerollt. Im Gegensatz zum GO EN, der nur aus den Blättern der Oku Midori besteht, finden bei Silber und Gold die Blätter der ebenso süßen und eleganten Strauchsorte Sae Midori Verwendung; den Charakter des Violett bestimmt die selbstbewusste und fruchtig duftende Strauchsorte Kanaya Midori.